Das Wichtigste in Kürze
📊 Gut zu wissen
- Ohne Ehevertrag gilt in Deutschland automatisch die Zugewinngemeinschaft. Das bedeutet: Euer Vermögen bleibt getrennt, aber bei einer Scheidung wird der Vermögenszuwachs während der Ehe aufgeteilt.
- Ein Ehevertrag muss notariell beurkundet werden, um gültig zu sein. Mündliche Absprachen oder selbst aufgesetzte Verträge reichen nicht.
- Die Notarkosten richten sich nach eurem gemeinsamen Vermögen und liegen typischerweise zwischen 300 und 2.000 Euro.
Was regelt ein Ehevertrag?
Ein Ehevertrag ist eine individuelle Vereinbarung zwischen Eheleuten, die festlegt, was im Fall einer Scheidung oder im Todesfall passiert. Die gesetzlichen Regelungen sind für viele Paare fair und ausreichend. Aber nicht für alle.
Die drei wichtigsten Bereiche, die ein Ehevertrag regeln kann:
Güterstand: Wollt ihr bei der Zugewinngemeinschaft bleiben, eine Gütertrennung vereinbaren oder eine modifizierte Zugewinngemeinschaft wählen (z. B. bestimmte Vermögenswerte wie ein Unternehmen vom Ausgleich ausnehmen)?
Unterhalt: Wie wird der nacheheliche Unterhalt geregelt? Soll der betreuende Elternteil länger Unterhalt bekommen als gesetzlich vorgesehen? Oder wollt ihr den Unterhalt begrenzen?
Versorgungsausgleich: Wie werden die Rentenansprüche aufgeteilt, die während der Ehe erworben wurden? Der gesetzliche Versorgungsausgleich teilt sie hälftig, aber ihr könnt das anpassen.

Wann ist ein Ehevertrag sinnvoll?
Nicht jedes Paar braucht einen Ehevertrag. Die gesetzlichen Regelungen bieten in vielen Fällen einen fairen Schutz für beide Partner:innen. Ein Ehevertrag lohnt sich vor allem in bestimmten Situationen:
Einer von euch ist selbstständig oder hat ein Unternehmen. Ohne Ehevertrag kann der Zugewinnausgleich das Unternehmen gefährden, weil der Firmenwert in die Berechnung einfließt.
Eure Vermögensverhältnisse unterscheiden sich stark. Wenn einer von euch deutlich mehr Vermögen in die Ehe mitbringt, kann ein Ehevertrag klären, wie damit umgegangen wird.
Ihr habt verschiedene Staatsangehörigkeiten oder lebt im Ausland. Dann kann es sinnvoll sein, festzulegen, welches Recht im Scheidungsfall gilt.
Einer von euch kümmert sich hauptsächlich um die Kinder. Im Ehevertrag könnt ihr vereinbaren, dass dieser Partner bei einer Trennung besser abgesichert ist als es das Gesetz vorsieht.
Es handelt sich um eine Patchwork-Situation. Mit Kindern aus früheren Beziehungen, Unterhaltspflichten oder bestehendem Vermögen wird die rechtliche Lage schnell komplex.
Einer von euch wird eine größere Immobilie erben. Zwar fällt ein Erbe grundsätzlich nicht unter den Zugewinn, aber die Wertsteigerung der Immobilie während der Ehe schon.
💡 Tipp
Ein Ehevertrag ist kein Misstrauensbeweis. Denkt daran wie an eine Versicherung: Ihr schließt sie ab und hofft, sie nie zu brauchen. Aber wenn doch, seid ihr froh, dass alles geregelt ist.
Wann braucht ihr keinen Ehevertrag?
Auch das ist eine wichtige Frage. In folgenden Fällen reichen die gesetzlichen Regelungen oft aus:
- Ihr seid beide berufstätig und habt ähnliche Einkommensverhältnisse.
- Keiner von euch ist selbstständig oder besitzt ein Unternehmen.
- Ihr bringt kein großes Vermögen in die Ehe mit.
- Schulden eines Partners sind kein Grund für einen Ehevertrag, denn in einer Zugewinngemeinschaft haftet jeder nur für seine eigenen Schulden.
Was kostet ein Ehevertrag?
Ein Ehevertrag muss immer notariell beurkundet werden (§ 1410 BGB). Die Notarkosten sind gesetzlich im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) festgelegt und richten sich nach eurem gemeinsamen Reinvermögen.
Ungefähre Notarkosten (doppelte Gebühr + Auslagen + MwSt.). Anwaltskosten kommen ggf. hinzu. Stand 2026.
In den Notarkosten enthalten sind: Beratungsgespräch, Erstellung des Vertragsentwurfs und die Beurkundung selbst. Das ist unabhängig davon, wie viele Termine ihr braucht oder wie komplex der Vertrag ist.
Braucht ihr zusätzlich eine:n Anwält:in?
Ein Notar berät neutral und erstellt den Vertrag. Wenn einer von euch sicherstellen will, dass seine Interessen besonders geschützt sind, kann eine zusätzliche anwaltliche Beratung sinnvoll sein. Die Anwaltskosten richten sich nach dem Gegenstandswert und liegen oft bei 300 bis 1.500 Euro zusätzlich.
📊 Gut zu wissen
- Ein Ehevertrag frühzeitig abzuschließen (also bevor ihr viel Vermögen aufgebaut habt) spart Notarkosten, weil der Geschäftswert niedriger ist.
- Die Kosten sind nicht steuerlich absetzbar, da ein Ehevertrag als private Angelegenheit gilt.
So läuft der Abschluss ab
Schritt 1: Gemeinsam überlegen
Sprecht als Paar offen darüber, ob und warum ein Ehevertrag für euch sinnvoll ist. Klärt eure Wünsche und Bedenken, bevor ihr zu einem Notar geht.
Schritt 2: Notar aufsuchen
Sucht ein Notariat in eurer Nähe (die Bundesnotarkammer hat ein Online-Verzeichnis). Im ersten Termin besprecht ihr eure Situation und Wünsche. Beide Partner:innen sollten anwesend sein.
Schritt 3: Entwurf prüfen
Der Notar erstellt einen Vertragsentwurf. Nehmt euch genug Zeit, diesen in Ruhe durchzulesen. Fragt nach, wenn ihr etwas nicht versteht. Lasst euch nicht unter Druck setzen.
Schritt 4: Beurkundung
Wenn beide einverstanden sind, erfolgt die notarielle Beurkundung. Beide Partner:innen müssen persönlich anwesend sein und unterschreiben.
Zeitpunkt
Ihr könnt einen Ehevertrag jederzeit abschließen: vor der Hochzeit, direkt nach der Hochzeit oder auch Jahre später. Auch Änderungen sind jederzeit möglich, erfordern aber eine erneute notarielle Beurkundung.
Was nicht erlaubt ist
Nicht alles, was in einem Ehevertrag steht, ist automatisch gültig. Ein Gericht kann einzelne Regelungen oder den gesamten Vertrag für unwirksam erklären, wenn:
- Ein Partner einseitig stark benachteiligt wird (z. B. kompletter Verzicht auf alle Unterhaltsansprüche ohne Gegenleistung).
- Der Vertrag unter Druck zustande kam (z. B. kurz vor der Hochzeit mit „entweder du unterschreibst oder die Hochzeit ist abgesagt").
- Die Regelungen sittenwidrig sind.
Deshalb ist eine sorgfältige, neutrale Beratung durch den Notar so wichtig.
Häufige Fragen
Können wir den Ehevertrag auch nach der Hochzeit abschließen? Ja, jederzeit. Viele Paare schließen einen Ehevertrag erst ab, wenn sich ihre Lebensumstände ändern (z. B. Gründung eines Unternehmens, Kinder, Immobilienkauf).
Gilt ein handschriftlicher Ehevertrag? Nein. Ein Ehevertrag muss zwingend notariell beurkundet werden. Ohne Notar ist er rechtlich unwirksam.
Was passiert mit dem Ehevertrag, wenn wir Kinder bekommen? Kinder verändern oft die Situation grundlegend, besonders beim Unterhalt. Es kann sinnvoll sein, den Vertrag nach der Geburt eines Kindes überprüfen und ggf. anpassen zu lassen.
Schützt ein Ehevertrag vor den Schulden des Partners? Auch ohne Ehevertrag haftet in einer Zugewinngemeinschaft jeder nur für seine eigenen Schulden. Ein Ehevertrag ist hierfür nicht nötig.
Checkliste: Ehevertrag ja oder nein?
✅ Checkliste
- ☐Offen als Paar über das Thema sprechen
- ☐Eigene Vermögensverhältnisse ehrlich auflisten
- ☐Prüfen, ob eine der oben genannten Situationen zutrifft
- ☐Notar aufsuchen und unverbindlich beraten lassen
- ☐Vertragsentwurf in Ruhe lesen und verstehen
- ☐Optional: Anwaltliche Zweitberatung einholen
- ☐Beurkundung gemeinsam beim Notar
- ☐Bei Lebensänderungen (Kinder, Immobilie, Jobwechsel) Vertrag überprüfen
Fazit
Ein Ehevertrag ist kein Zeichen von Misstrauen, sondern ein Zeichen von Verantwortung. Ob ihr einen braucht, hängt von eurer persönlichen Situation ab. Für viele Paare reichen die gesetzlichen Regelungen. Für andere schafft ein Ehevertrag Klarheit und Sicherheit, die im Ernstfall viel Geld und Nerven spart. Lasst euch in Ruhe beraten und trefft die Entscheidung gemeinsam.
💡 Tipp
Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Für eure individuelle Situation wendet euch an ein Notariat oder eine Kanzlei für Familienrecht in eurer Nähe.
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